MANUELLE POLITUREN – GLANZPUNKTE LANGE’SCHER HANDWERKSKUNST.
Die verschiedenen Polituren gehören zu den anspruchsvollsten Vollendungsformen eines Lange-Uhrwerks. Dabei ist nicht nur die dafür aufgewendete Zeit erstaunlich, sondern auch das Können der Lange’schen Finisseure. So verlangt es beispielsweise mehrere Monate Übung, bis eine Flachpolitur vollendet hergestellt werden kann.
Nur ein geschultes Auge und enormes Fingerspitzengefühl ermöglichen dies. Eine Maschine ist dazu gar nicht in der Lage: Denn diese kann eine polierte Kante weder harmonisch auslaufen lassen – noch deren Winkel verändern, um eine optisch gleichbleibende Breite zu erzeugen. Und sie kann eine polierte Fläche auch nicht wieder und wieder prüfen, um ein perfektes Ergebnis zu erreichen.
DIE FLACHPOLITUR.
Bis zu zwei Stunden Feinarbeit sind notwendig, um dem Deckplättchen eines Ankerrades, einer Schwanenhalsfeder und anderen Teilen des Uhrwerks ihre spiegelgleiche Oberfläche zu verleihen. Um ein Werkteil mit einer Flachpolitur zu versehen, drückt der Finisseur es in ein Stück Holundermark und führt es in Form einer Acht über immer feiner werdende, diamantbestäubte Folien.
Höchste Konzentration ist dabei von Nöten: Denn schon ein winziges Staubkorn zwischen dem Werkstück und dem Poliermittel oder ein zu hoher Druck auf das Werkstück können die Arbeit mehrerer Stunden zu Nichte machen.
DIE SCHWARZPOLITUR.
Nur wenige ausgewählte Werkteile werden mit einer aufwendigen Schwarzpolitur versehen – wie zum Beispiel die Tourbillon-Brücke des TOUBOGRAPH „Pour le Mérite“. Mehrere Tage kann diese Arbeit
in Anspruch nehmen. Dabei werden die Teile von Hand so lange mit speziellen Poliermitteln auf einer Zink- oder Zinnplatte poliert, bis sie schwarz zu glänzen scheinen.
EINBLICK IN DIE MANUFAKTUR: WIE EINE LANGE-UHR ENTSTEHT
DIE ANGLIERUNG.
Bei A. Lange & Söhne werden alle Kanten von Platinen, Brücken
und Hebeln angliert – also gebrochen und poliert. Für das Können
der Lange’schen Finisseure spricht dabei, dass nach der Anglierung nahezu alle gebrochenen Kanten, die Fasen, über einen gleichmäßigen Winkel und über dieselbe Breite verfügen.
Die Politur der Fasen führen die Finisseure in reiner Handarbeit aus. Werkteile aus weicheren Materialien werden mit Schleifgummis abnehmender Rauhigkeit und abschließend mit einer Politurbürste vollendet, die härteren Stahlteile werden mit einer rotierenden Holzscheibe poliert.
DIE POLITUR VON INNENECKEN.
Welcher Vollendungsstufe ein Zeitmesser angehört, äußert sich in einem dezenten, aber umso aussagekräftigeren Detail. Und so richten Uhrenkenner ihren Blick zuerst auf die Innenecken von Brücken und Hebeln. Weisen sie eine präzise, kantige Form auf, sind sie zweifelsfrei von Hand poliert. Denn nur ein Mensch kann die dafür erforderliche, lineare Schleifbewegung ausführen. Ist ihre Form dagegen abgerundet, muss man von einer maschinellen Dekoration ausgehen.
Zur Politur der Innenecken nutzen die Finisseure von Lange ein bleistiftähnliches Werkzeug aus Hartmetall. Damit werden die Innenecken von Hand geschnitten und vollendet.